„Handwerksshow“: Jugendliche in der Hauptrolle

Mehr als 1500 Schülerinnen und Schüler informierten sich im Weserpark über vielfältige Berufe und die Chancen der Selbstständigkeit

Vielfältige Tätigkeiten und das „schöne Gefühl, wenn die Kunden glücklich sind“ – das ist es, was Friseurmeisterin Miriam Engelhardt am Handwerk reizt. Ihre Erfahrungen beschrieb sie heute vor zahlreichen Schulklassen bei der „Handwerksshow 2017“, zu dem die Handwerkskammer Bremen in den Weserpark und ins Cinestar-Kino eingeladen hatte. „Das Handwerk wird bei der Berufswahl oft links liegengelassen, aber man hat hier viele Möglichkeiten“, betonte Engelhardt. Gemeinsam mit ihrer Geschäftspartnerin Lisa Hardtke betreibt sie den Friseursalon UBEO, der sich auf ökologische Produkte spezialisiert hat. „Durch die Selbstständigkeit können wir etwas machen, hinter dem wir komplett stehen“, sagt sie. „So geht man jeden Tag gerne zur Arbeit.“  

Bundesweit einzigartiges Format

Die Bandbreite der Tätigkeitsfelder mit den 130 Ausbildungsberufen hob auch Martina Jungclaus, Hauptgeschäftsführerin der Handwerkskammer Bremen, hervor. „Die Handwerksshow ist ein bundesweit einzigartiges Format, bei dem Jugendliche den Berufsalltag des Handwerks im Umgang mit modernen, innovativen Technologien an den Aktionsflächen der Betriebe persönlich erleben können. Die Handwerkskammer Bremen geht damit neue Wege, wenn es um die Ansprache von Jugendlichen und potenziellen Auszubildenden geht, denn die Berufsorientierung darf nicht nur in den Klassenzimmern stattfinden.“

Die ganztägige Veranstaltung begann am Vormittag mit einem „Schülerkongress“, bei dem die Jugendlichen unter anderem Bewerbungstipps erhielten und von jungen „Bremer Mutmachern“ erfuhren, wie ihnen der erfolgreiche Einstieg ins Handwerk gelungen ist. Begrüßt wurden sie von Martin Günthner, Senator für Wirtschaft, Arbeit und Häfen, während die Senatorin für Kinder und Bildung, Dr. Claudia Bogedan, sich den Schüler-Fragen in einer Talkrunde stellte. Der Schülerkongress erfreute sich bereits im Vorfeld so großer Nachfrage, dass die Anmeldungen bei 1500 Teilnehmern gestoppt werden mussten. Am Nachmittag war die Handwerksshow offen für alle Interessierten: Im Weserpark präsentierten sich mehr als 30 unterschiedliche Gewerke und luden zu Workshops, Mitmach-Aktionen, Entertainment und direkten Firmenkontakten ein.   

Wichtige Alternative zum Studium 

Laut Jungclaus ging es bei der Veranstaltung unter anderem darum, die Gleichwertigkeit der beruflichen Ausbildung mit der akademischen Ausbildung aufzuzeigen: „Das Handwerk ist sexy und lukrativ“, betonte sie. Dass ein Studium nicht für jeden Jugendlichen automatisch die beste Wahl ist, berichtete Lukas Flathmann aus eigener Erfahrung. Der 24-jährige hatte zunächst ein Geografie-Studium begonnen, dies aber mittlerweile abgebrochen und eine Ausbildung zum Elektroniker für Energie- und Gebäudetechnik begonnen. „Am Studium störte mich, dass es kaum praxisbezogene Arbeit gibt“, erzählte er. „Jetzt in der dualen Ausbildung hat man größtenteils praktische Arbeit, im Handwerk ja sogar fast nur. Trotzdem kann man in der Schule Dinge testen und lernen, ohne dass man besorgt sein muss, etwas falsch zu machen.“ Abends falle man schon mal müde ins Bett, „aber man hat das Gefühl, am Tag etwas geschafft zu haben.“

Der Beruf des Elektronikers für Energie- und Gebäudetechnik hat ihn gereizt, weil er recht weit gefächert ist: „Es kann schon mal sein, dass man eine Woche lang jeden Tag etwas anderes macht. Der Beruf bietet mir auch später noch Möglichkeiten mich weiterzubilden.“ 
Flathmann glaubt, dass das Handwerk eine Alternative für mehr Menschen wäre – „viele wissen es nur nicht. Wenn man heute Abitur macht, ist es ja schon fast klar zu studieren. Viele ziehen es aber nicht durch, weil es vielleicht doch nicht so das richtige ist.“ Nach der Ausbildung könne man immer noch ein Studium beginnen.

Wirksamer Schutz vor Arbeitslosigkeit

Bildungssenatorin Bogedan sah es ähnlich: „Weltweit hat sich herumgesprochen, dass mit dem Abschluss einer dualen Ausbildung eine hohe – auch formale – Qualifikation verbunden ist. Wer nach einer Berufsausbildung den Wunsch nach weiteren höheren Qualifikationen hat – ob Meisterbrief, Fachschule, Fachhochschulreife oder Hochschulreife, kann hat mit der Ausbildung hervorragende Grundlagen erwerben. Zudem ist er gut vor Arbeitslosigkeit geschützt, kann sein Leben aus eigener Kraft gestalten und finanzieren und sich weiter spezialisieren. Gemeinsam mit Betrieben bringen die Bremer Berufsschulen junge Menschen auf diesen Weg. Berufsorientierungsmessen wie die im Weserpark mit Workshops, Probier-Angeboten und Speedpraktika sind hervorragend geeignet, sich einen ersten Eindruck und auch schon tiefergehende Informationen über die Möglichkeiten der Handwerksberufe in Bremen zu verschaffen. Danke dafür.“

Weitere Informationen:
www.die-handwerksshow.de

Doris Prüser

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