Klimaschutz braucht Fachkräfte des Handwerks

Im Rahmen einer Pressekonferenz haben die Handwerkskammer Bremen sowie die Kreishandwerkerschaften Bremen und Bremerhaven-Wesermünde heute (10. Februar) im Kompetenzzentrum der Handwerkskammer, der Handwerk gGmbH, ihre gemeinsame Einschätzung zum Abschlussbericht der Enquetekommission „Klimaschutzstrategie für das Land Bremen“ der Bremischen Bürgerschaft vorgestellt.

Die drei Institutionen teilen grundsätzlich die von der Enquetekommission formulierten Ziele und Handlungsempfehlungen. Klimaschutz betrachten sie grundsätzlich als Chance für das Handwerk. Damit dieses seiner zentralen Rolle bei der Umsetzung der notwendigen Klimaschutz-Maßnahmen aber auch in Zukunft gerecht werden kann, fordern sie zusätzliche Anstrengungen zur Stärkung der Ausbildung, um dem Fachkräftemangel zu bewältigen. Außerdem muss ihrer Meinung nach die Beratung zu klimafreundlichem Bauen und zu Förderprogrammen ausgebaut sowie Bürokratie abgebaut werden.

Obwohl die im Abschlussbericht formulierten Ziele aus Sicht des Handwerks sehr ambitioniert sind, begrüßt es sie grundsätzlich. Das gilt auch für viele der im Bericht enthaltenen Handlungsempfehlungen an die Politik.

Thomas Kurzke, Präses der Handwerkskammer Bremen: „Auch, wenn vielleicht nicht alle Ziele in der angestrebten Zeit erreicht werden können, stimmt doch die Richtung. Das Handwerk ist in der Lage, schnell auf neue Herausforderungen zu reagieren und beim Klimaschutz auch voranzugehen.“

Andreas Meyer, Hauptgeschäftsführer der Handwerkskammer Bremen, ergänzt: „Schon heute ist das Handwerk für den Klimaschutz unentbehrlich. Klimaschutz bedeutet für das Handwerk auch neue Markt-chancen. Es ist bereit, sich künftig noch mehr zu engagieren, zum Beispiel bei der Installation von Wärme-pumpen, Photovoltaik-Anlagen, Ladestationen oder bei der Gebäudedämmung. Das wird aber nur möglich sein, wenn genügend Fachkräfte zur Verfügung stehen. Hier liegt momentan die größte Herausforderung.“

Matthias Winter, Kreishandwerksmeister der Kreishandwerkerschaft Bremen: „Viele Betriebe müssen schon heute Aufträge ablehnen, weil sie nicht über genügend Fachkräfte verfügen. In den kommenden Jahren wird sich das Problem noch verschärfen. Hier muss dringend gegengesteuert werden.“

Axel Heidtmann, stellvertretender Kreishandwerksmeister der Kreishandwerkerschaft Bremerhaven-Wesermünde, hält die im Abschlussbericht formulierten Ziele unter bestimmten Voraussetzungen für realistisch: „Ob sie realisiert werden können, hängt letztlich auch davon ab, wie stark Hauseigentümer davon überzeugt werden können und ob genügend Fördermittel zur Verfügung stehen.“

 

Die Forderungen des Handwerks

Um seiner zentralen Rolle beim Klimaschutz gerecht zu werden, braucht das Handwerk mehr Fachkräfte. Deshalb fordert es, die Aktivitäten in der Berufsorientierung für Jugendliche und insbesondere an Gymnasien noch weiter auszubauen. „Ohne genügend Auszubildende im Handwerk – die Fachkräfte von morgen – werden die im Abschlussbericht formulierten Klimaschutzziele nicht erreichbar sein“, sagt Handwerkskammer-Präses Thomas Kurzke.

Damit die modernen Klimaschutztechniken auch in den Haushalten ankommen, braucht es der Kammer und den Kreishandwerkerschaften zufolge noch mehr Beratungsangebote für private Bauherren und Eigentümer. Kunden müssen auf eine kompetente Fachberatung zurückgreifen können. Diese kann zum Beispiel in speziellen Bau-Beratungszentren, wie sie im Abschlussbericht vorgeschlagen werden, auch durch das Handwerk geleistet werden.

Damit Eigentümern die energetische Sanierung erleichtert wird, muss dem Handwerk zufolge dringend Bürokratie abgebaut werden. Das gilt vor allem für die Beantragung von Fördermitteln. Diese muss so ausgestaltet sein, dass Handwerker die wesentlichen Punkte selbst einbringen und ihre Kunden bei der Beantragung damit unterstützen können. Matthias Winter: „Besonders vor dem Hintergrund der jüngsten Querelen um die KfW-Förderung muss die Politik jetzt verlässliche Perspektiven hinsichtlich der Förder-programme aufzeigen. Immobilieneigentümer und solche, die es werden wollen, benötigen dringend Planungssicherheit.“

10.02.2022

Oliver Brandt
Pressesprecher

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